Scharanser Zwischenruf

Bireweich? Ja, aber warum? Öffnet die Theater und Konzerte

Scharanser Zwischenrufe

 

Bireweich? Ja, aber warum?

Linard Bardill

Übergang in den Lebensmodus

 

Ich habe bisher die Massnahmen des Bundes weitgehend ohne Aufstand entgegengenommen.

Nun ändert sich das.

Die Schliessung von Theatern und Konzertlokalen in vielen Kantonen, aber auch eine Untergrenze von 50 Leuten bei kulturellen Veranstaltungen wie bei uns ist bireweich. 

Schaut man sich die Zahlen an, ist die Gefahr im ÖV, an der Familienfeier oder im Flüchtlingsheim mit dem Virus angesteckt zu werden um den Faktor Unendlich grösser als im Theater oder im Konzert. Denn es gab in der Schweiz gerade einmal eine (umstrittene) Ansteckung im Laufe vieler Wochen seit dem Ende des Lockdowns.

" Gehen Sie in die Oper, oder ins Theater - da sind Sie sicherer als zu Hause", sagte Hamburgs Kultursenator Carsten Brosda auf einer Pressekonferenz. 

Sie kennen es vielleicht: Konzertbesucher sitzen ruhig in ihrem Stuhl, gröhlen nicht, schreien nicht, husten in die Maske, halten Abstand in der Pause.

 Es macht keinen Sinn gerade die zu bestrafen, welche während der Zeit der Öffnung die Massnahmen klug umsetzten und darum ohne Ansteckungen blieben. Sie haben ihre Sache so gut gemacht, dass man im Theater sicherer war als in der Kneipe, im Spital oder beim Arzt.

 Auch wenn es noch keiner bemerkt hat: Die Kulturschaffenden sind systemrelevant.

 Sie merken, dass ich direkt betroffener bin. Mir wurden inzwischen 57 Konzerte annulliert. Ja, klar, ich habe einigermassen Ersatz für die abgesagten Konzerte bekommen, und - sagt die Verordnung - ich kann auch weiterhin die Ausfälle - zum Bezug eines Taschengeldes - an die SVA weitermelden. Das Problem ist nur. Ich habe kaum Ausfälle mehr, weil kein Mensch neue Konzerte gebucht hat. Alle sind in der Warteschleife und hoffen, dass der Spuk vorbei ist, die Impfung kommt, oder sonst ein Wunder passiert.

 Ich glaube nicht, dass der Bundesrat und unsere Kantonalpolitiker böse sind, oder machtgierig, wie man das landauf und landab hört. Aber sie sind Schisshasen. 

 Sie können keine Oper, kein Symphoniekonzert, kein Event, kein Kino mit der Obergrenze von 50 Zuschauer machen. Es ist auch nicht nötig! Es ist vielmehr unklug der Kultur unnötig - und das ist das entscheidende – ohne sinnvolle Begründung die Flügel zu stutzen. 

Vorschlag: statt immer mit neuen Angstmacherlis und Schliessungen die Leute zum vernünftigen Handeln zu prügeln, könnten die Kulturstätten als gutes Beispiel herhalten, wie man es richtig macht, und wie man dafür belohnt wird.

Nochmals - Auf die Gefahr hin, mich zu wiederhole: in ganz Europa und auch in der Schweiz ist es erwiesen, die Ansteckungsgefahr im Theater und Konzert, im Museum ist minimal!

Hat keiner den Mut, wirklich die Tatsachen anzuschauen, statt alle und alles über den gleichen Kill- und Panikleisten zu schlagen? Kann man nicht auch mit positiven Aktionen Wahlen gewinnen? 

Nachdem das Modell Schweden durchaus auch seine Vorteile zeigt, nämlich auf die Verantwortung und die Selbstregulation, statt auf Angst und Repressionen zu setzen, wäre die Kultur geradezu ein Flaggschiff, das der ganzen Gesellschaft zeigen könnte, wie und dass wir mit dem Virus leben können.

Denn um nichts weniger geht es. 

Bis eine glaubhaft getestete Impfung kommt, kann es noch eine geraume Zeit gehen. Darum würde es sich lohnen, darüber nachzudenken, was die minimalen, nicht die maximalen Einschränkungen und Massnahmen sein sollen. Kulturvernunft statt Covidangst. 

Wir Kulturschaffenden sind bereit.

 


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