Scharanser Zwischenruf

Demokratie ja, aber wie

 

Scharanser Zwischenrufe

 

direkte Demokratie ja, aber wie?

Linard Bardill 

Shareholder Value vs. Human Value

 

Die Demokratie ist manchmal eine harte Nuss. Nur knapp über 50% stimmten für die Kampfjets, 8000 Stimmbürger entschieden über die Zukunft der Armee und das Zufallsmehr berechtigt die Militärs nun weiterhin ihrem Hobby einer supponierten Bedrohung des Luftraumes zu frönen. Welcher Frust bei den Gegnern. Aber Demokratie ist Demokratie.

 

In der Wirtschaft ist die Demokratie bekanntlich am kurzen Hebel. Auch die Genossenschaft Coop, die sich gern mit hohen «Werten» schmückt und ihre Biogemüse auf jeden Lastwagen druckt, scheint nicht viel von ihr zu halten:

 

Alle 5 Jahre wird ein neuer Genossenschaftsrat gewählt und üblicherweise kräht kein Hahn danach. Der Rat hätte aber die Möglichkeit, die Geschicke des Konzerns mit zu bestimmen. Darum versuchten Aktivisten neue Genossenschaftsräte aufzustellen, mit dem Ziel, Coop zu einer konsequenten Klimastrategie, besseren Arbeitsbedingungen für die Angestellten und zu fairen Preisen für Produzenten, Lieferantinnen und Konsumenten zu verpflichten.

Im letzten Moment vereitelte die Konzernleitung das Vorhaben, indem sie die Wahlbedingungen so veränderte, dass keine Chance mehr bestand, in der kurzen Zeit vor den Wahlen genügend Unterschriften für die Delegierten zu sammeln.

Der Konzern erklärte, die Aktion ziele darauf, Coop in eine instabile Lage zu versetzen und wirtschaftlich zu schädigen.

Heisst das, dass Coop nur wirtschaftlich stabil bleiben kann, wenn sie die Demokratie aushebelt, keine konsequente Klimastrategie fährt, höchstens minimale Arbeits Standards garantiert und keine fairen Preise für Produzenten, Lieferanten und Konsumenten bietet? 

Heisst das, die Genossenschaft Coop kann nur wirtschaftlich funktionieren, wenn sie nur so tut, als ob sie substanziell etwas für das Klima, ihre Angestellten und die Fairness für Produzenten und Konsumenten macht? 

 

Ähnlich argumentieren die Gegner der Konzernverantwortungsinitiative. Die Initiative sei geschäftsschädigend, untergrabe den freien Markt, und bewirke, dass Glencore, Nestle, die Gold und Diamanten- Konzerne aus der Schweiz wegziehen würden, weil sie ihre Konkurrenzfähigkeit verlören.

Monica Rühl von Economiesuisse spricht davon, dass durch die Initiative alle Unternehmungen in der Schweiz vorverurteilt werden, was falsch ist, denn die Initiative betrifft von 592'695 Unternehmen gerade einmal 1697. Es wird in dieser Nein Kampagne gelogen, und getrickst, dass sich die Balken biegen.

Die Grosskonzerne zittern nicht um ihr Überleben, sie kämpfen für das Geld ihrer CO’s und die Ausschüttung für ihre Aktionäre, den Shareholdervalue. Dabei nehmen sie zerstörte Landschaften und verarmte, kranke und vertriebene Menschen in Kauf. Sie wollen weiterhin das Recht haben das Trinkwasser, die Luft und die Böden zu verseuchen, und zwar ungestraft! 

 

Früher haben andere sich nicht hindern lassen wollten, mit Sklaven reich zu werden. Vermutlich hätte ein Herr Depury, der ein Vermögen mit Sklavenhandel machte, ähnliche Argumente ins Feld geführt: Die Freiheit der Händler, Konkurrenzdruck, und: wenn wir’s nicht machen, machen’s die andern.

Was wir aber brauchen ist ein Humanvalue: Die Wirtschaft ist für den Menschen da, nicht umgekehrt. Die Schweiz ist eine direkte Demokratie und hat die Möglichkeit am 27 November einen Leuchtturm aufzustellen, der Gerechtigkeit , Menschenrechte und die Würde der Erde weltweit zum Leuchten bringt.

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